Für die meisten Erwachsenen sind 5 bis 20 neue Vokabeln am Tag das richtige Maß, je nachdem, wie viele Minuten du täglich übrig hast. Wichtiger als die Zahl der neuen Wörter ist, dass du die alten wiederholst, denn nach ein paar Wochen machen Wiederholungen den größten Teil deiner Lernzeit aus. Wie viele Vokabeln am Tag zu dir passen, wie viele Wörter du für welche Stufe brauchst und wie eine Lernwoche aussieht, steht hier.
Wie viele Vokabeln am Tag sind realistisch?
Rechne mit etwa einem neuen Wort pro zwei Minuten Lernzeit, wenn die Wiederholungen mitlaufen sollen. Bei 10 Minuten am Tag sind das 5 neue Wörter, bei 20 Minuten 10, ab 30 Minuten 15 bis 20. Mehr geht kurzfristig, aber dann wächst der Berg an Wiederholungen schneller als deine Zeit.
| Zeit pro Tag | Neue Wörter | Nach einem Jahr mit 300 Lerntagen |
|---|---|---|
| 10 Minuten | 5 | 1.500 |
| 20 Minuten | 10 | 3.000 |
| 30 Minuten und mehr | 15 bis 20 | 4.500 bis 6.000 |
Die rechte Spalte ist eine Rechnung, kein Versprechen. Sie zählt, was du gelernt hast, nicht, was nach einem Jahr noch sitzt, und sie geht von knapp sechs Lerntagen pro Woche aus. Für Schulkinder gilt dasselbe Prinzip in kleinerer Dosis: lieber zehn Wörter jeden Tag als fünfzig am Abend vor dem Test.
Wie viele Wörter brauche ich für A1, B1 oder C1?
Für B1 grob 2.500 bis 3.250 Wörter, für C1 3.750 bis 4.500. Diese Werte hat der Sprachforscher James Milton für Englisch als Fremdsprache ermittelt, und sie zeigen die Größenordnung auch für andere Sprachen. Paul Nation von der Victoria University of Wellington hat sie in seinen Materialien zum GER zusammengestellt.
| GER-Stufe | Wortschatz nach Milton (Englisch) |
|---|---|
| A1 | unter 1.500 |
| A2 | 1.500 bis 2.500 |
| B1 | 2.500 bis 3.250 |
| B2 | 3.250 bis 3.750 |
| C1 | 3.750 bis 4.500 |
| C2 | 4.500 bis 5.000 |
Miltons Test prüft nur die 5.000 häufigsten Wörter, deshalb endet die Skala dort; ein echtes C2 umfasst mehr. Zum Vergleich: Die Wortliste des Goethe-Instituts für das Zertifikat B1 umfasst circa 2.400 lexikalische Einheiten, die für A2 circa 1.300 und die für A1 circa 650. Das ist der Kernwortschatz, den eine Prüfung voraussetzt, also eher die Untergrenze.
Wie viel für völlig freies Lesen nötig ist, hat Nation 2006 berechnet: Um 98 Prozent der Wörter eines Textes zu kennen, die Schwelle, ab der man ohne Wörterbuch gut versteht, braucht man im Englischen 8.000 bis 9.000 Wortfamilien zum Lesen und 6.000 bis 7.000 zum Hören. Was die Stufen inhaltlich bedeuten, erklärt der Überblick über die GER-Niveaustufen.
Warum sind Wiederholungen wichtiger als neue Wörter?
Weil jedes neue Wort in den ersten Wochen mehrmals zurückkommen muss, bevor es sitzt. Wer täglich neue Wörter lernt, sammelt deshalb Wiederholungen an, und nach etwa einem Monat bestimmen sie, wie lange du am Tag brauchst. Neue Wörter sind der kleinere Teil der Arbeit.

Ein Rechenbeispiel: Du lernst täglich 10 neue Wörter und wiederholst jedes nach 1, 3, 7, 14 und 30 Tagen. Nach einem Monat sind an jedem Tag rund 50 Wiederholungen fällig, dazu kommen die 10 neuen Wörter. Bei etwa zehn Sekunden pro Karte sind das zehn Minuten. Verdoppelst du die neuen Wörter, verdoppeln sich auch die Wiederholungen.
Noch deutlicher wird es beim Pauken am Wochenende. Wer am Sonntag 100 Wörter auf einmal lernt, hat am Montag 100 fällige Karten, am Mittwoch wieder 100 und am nächsten Sonntag noch einmal. Darum ist eine feste Tagesgrenze sinnvoller als gute Vorsätze. Die einfachste Regel lautet: erst die fälligen Wiederholungen, dann neue Wörter. Dauern die Wiederholungen allein länger als eine Viertelstunde, lässt du die neuen für ein, zwei Tage weg.




