In deutschen Lebensläufen steht bei Englisch erstaunlich oft „verhandlungssicher“. Was das heißt, weiß niemand so genau, am wenigsten die Leute, die es hinschreiben. Für genau dieses Problem gibt es die GER Niveaustufen. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen, 2001 vom Europarat veröffentlicht, teilt Sprachkönnen in sechs Stufen ein: A1 und A2 für die elementare, B1 und B2 für die selbstständige und C1 und C2 für die kompetente Sprachverwendung.
Das Kluge daran steckt nicht in den Buchstaben, sondern in der Methode. Der GER zählt keine Vokabeln und hakt keine Grammatikkapitel ab. Er beschreibt, was du mit der Sprache tun kannst: ein Zimmer buchen, einen Zeitungsartikel verstehen, in einer Besprechung widersprechen. Diese Kann-Beschreibungen machen die Stufen über Sprachgrenzen hinweg vergleichbar. B1 in Spanisch bedeutet dasselbe Können wie B1 in Finnisch, auch wenn der Weg dorthin für Deutsche sehr unterschiedlich lang ist.
Die GER Niveaustufen auf einen Blick
| Stufe | Bereich | Was du damit konkret schaffst |
|---|---|---|
| A1 | elementar | Dich vorstellen, beim Bäcker bestellen, ein Formular mit Name und Adresse ausfüllen. Klappt, wenn dein Gegenüber langsam spricht und Geduld hat. |
| A2 | elementar | Einen Arzttermin ausmachen, nach dem Weg fragen, in einfachen Sätzen vom letzten Wochenende erzählen. |
| B1 | selbstständig | Im Urlaubsland allein zurechtkommen, über Arbeit und Hobbys reden, eine Meinung kurz begründen, eine Reklamation loswerden. |
| B2 | selbstständig | Mit Muttersprachlern diskutieren, ohne dass es für beide Seiten anstrengend wird, Zeitungsartikel verstehen, Serien größtenteils ohne Untertitel schauen. |
| C1 | kompetent | Lange, anspruchsvolle Texte lesen und Zwischentöne mitbekommen, im Studium oder Job flexibel formulieren, ohne hörbar nach Wörtern zu suchen. |
| C2 | kompetent | Praktisch alles mühelos verstehen, feine Bedeutungsunterschiede ausdrücken, Informationen aus verschiedenen Quellen sauber zusammenfassen. |
Die Stufen sind nicht gleich breit. Von A1 nach A2 kommst du vergleichsweise schnell, für den Schritt von B2 nach C1 brauchst du ein Mehrfaches an Zeit. Ungefähre Stundenzahlen für jede Stufe stehen im Artikel Wie lange dauert es, eine Sprache zu lernen?
A1 und A2: Mit wenig Sprache zurechtkommen
Auf A1 bist du ein Tourist mit Grundwortschatz. Du sagst „Two coffees, please“ und verstehst die Antwort, solange sie dem Lehrbuch folgt. Fragt der Barista schnell und mit schottischem Akzent, ob es Hafermilch sein soll und ob zum Mitnehmen, ist das Gespräch für dich gelaufen, und du nickst einfach zu allem.
A2 ist die Stufe, auf der eine Sprache anfängt, nützlich zu werden. Du erledigst Routinesachen, redest über Familie, Arbeit und Wohnort und erzählst, was am Wochenende war. Ein typischer A2-Satz ist grammatisch wackelig und trotzdem verständlich: „Yesterday I go with my sister in the cinema.“ Das ist kein Grund zur Scham. Genau so klingt A2.
B1 und B2: Ab hier bist du selbstständig
B1 heißt im englischen Original „Threshold“, also Schwelle, und der Name passt. Du kommst im Alltag ohne Hilfe zurecht, erzählst von Erlebnissen, beschreibst Pläne und sagst, warum dir etwas gefällt. Was fehlt, ist Tiefe. Sobald es abstrakt wird, etwa bei Politik oder bei der Frage, warum das Projekt im Büro schiefläuft, wirst du einsilbig.
B2 ist die Stufe, die in Stellenanzeigen und Zulassungsbedingungen am häufigsten auftaucht. Hier diskutierst du, wägst Vor- und Nachteile ab und verstehst Muttersprachler auch dann, wenn sie untereinander reden und nicht extra für dich langsamer werden. Fehler machst du noch, aber sie führen selten zu Missverständnissen, und viele bemerkst du selbst. Was B2 im Detail bedeutet, steht in Sprachniveau B2: Was es bedeutet.
Zwischen B1 und B2 bleiben viele Lernende jahrelang hängen. Das Phänomen heißt Mittelstufenplateau und hat eine banale Ursache: Für den Urlaub reicht B1, also strengt man sich nicht mehr an.
C1 und C2: die Feinarbeit
Auf C1 steht dir die Sprache nicht mehr im Weg. Du liest einen Kommentar in „Le Monde“ und merkst, dass er ironisch gemeint ist. Du hältst ein Referat, und dein Wortschatz begrenzt nicht mehr, was du sagen willst. Viele Hochschulen verlangen für ein Studium in der Fremdsprache C1 oder ein Niveau knapp darunter.
C2 wird gern mit „wie ein Muttersprachler“ übersetzt. Das ist falsch und auch gar nicht das Ziel. C2 beschreibt jemanden, der die Sprache präzise beherrscht, feinste Bedeutungsunterschiede ausdrücken und komplexe Informationen aus mehreren Quellen sauber zusammenfassen kann. In einer C2-Schreibprüfung kämen viele Muttersprachler ordentlich ins Schwitzen. Ein Akzent spielt übrigens auf keiner Stufe eine Rolle, solange man dich gut versteht.
Welche Prüfung passt zu welcher GER-Stufe
Fast alle großen Sprachzertifikate richten sich heute nach dem GER. Die gängigen, die du in Deutschland, Österreich und der Schweiz ablegen kannst:
| Sprache | Prüfungen | Stufen |
|---|---|---|
| Englisch | Cambridge: A2 Key, B1 Preliminary, B2 First, C1 Advanced, C2 Proficiency | A2 bis C2 |
| Englisch | IELTS, mit Bändern statt Stufen: grob 4 bis 5 = B1, 5,5 bis 6,5 = B2, 7 bis 8 = C1 | B1 bis C2 |
| Französisch | DELF (A1 bis B2) und DALF (C1, C2), zum Beispiel am Institut français | A1 bis C2 |
| Spanisch | DELE vom Instituto Cervantes | A1 bis C2 |
| Italienisch | CILS, CELI, PLIDA | A1 bis C2 |
| viele Sprachen | telc, oft direkt an der Volkshochschule | je nach Sprache bis B2, C1 oder C2 |
| Deutsch | Goethe-Zertifikat, telc Deutsch, ÖSD, für die Uni TestDaF und DSH | A1 bis C2 |
Auch die Schule rechnet in GER-Stufen. Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz peilen für die erste Fremdsprache, meistens Englisch, ungefähr Folgendes an: A2 zum Hauptschulabschluss, B1 zum Mittleren Schulabschluss und B2, in Teilen C1, zum Abitur. In Österreich wird die Englisch-Matura auf B2 geprüft, in der Schweiz hängt es stark von Kanton und Schultyp ab. Wer vor ein paar Jahren Abitur oder Matura gemacht hat, lag im Englischen damals also ungefähr bei B2. Wie viel davon heute noch da ist, steht auf einem anderen Blatt.
GER-Stufen im Lebenslauf
Schreib im Lebenslauf die Stufe hin, nicht ein Adjektiv. Wer trotzdem Wörter verwendet, kann sich an einer verbreiteten, aber inoffiziellen Faustregel orientieren: Grundkenntnisse entsprechen etwa A1 bis A2, gute Kenntnisse B1 bis B2, fließend ungefähr C1, verhandlungssicher C1 bis C2. „Englisch (B2)“ sagt mehr als jedes dieser Wörter. Und wenn das Bewerbungsgespräch plötzlich auf Englisch weitergeht, fliegt eine Übertreibung ohnehin in den ersten Minuten auf.
Zwischenstufen: A1.1, B2.2 und Pre-A1
Im VHS-Programm findest du Kurse wie A1.1, A1.2 oder B2.2. Das sind keine offiziellen GER-Stufen, sondern Abschnitte, in die Kursanbieter eine Stufe zerlegen, weil sie selten in ein Semester passt. Der Europarat selbst kennt außerdem Plusstufen wie A2+ oder B1+, und sein Begleitband von 2020 beschreibt zusätzlich eine Stufe Pre-A1 für ganz frische Anfänger. Für Zertifikate zählen trotzdem nur die sechs Hauptstufen. Ein B2.1-Zertifikat gibt es nicht.
Wie du deine GER-Stufe ehrlich einschätzt
Der Europarat hat ein Raster zur Selbstbeurteilung veröffentlicht, das du im Netz leicht findest, unter anderem als Teil des Europäischen Sprachenportfolios. Es trennt Hören, Lesen, an Gesprächen teilnehmen, zusammenhängend Sprechen und Schreiben. Das ist sinnvoll, denn kaum jemand steht überall auf derselben Stufe. Typisch für Deutsche im Englischen: Lesen auf C1, weil man seit Jahren Fachtexte und Serien konsumiert, freies Sprechen auf B1, weil man es kaum tut. Das ist völlig normal, solange du es weißt.
Für einen schnellen Realitätscheck nimmst du dir ein paar Kann-Beschreibungen deiner Wunschstufe und probierst sie wirklich aus. Ruf in einem Hotel im Ausland an. Schreib eine Beschwerde über eine verspätete Lieferung. Erzähl jemandem zwei Minuten lang von deinem Job, ohne ins Deutsche zu rutschen. Was du nur „im Prinzip“ kannst, kannst du noch nicht.
So folgen die Qlango-Kurse den GER-Stufen
Bei Qlango ist jeder Kurs einer GER-Stufe zugeordnet, von A1 bis C2. Für die Einstiegsstufen ist das Angebot am breitesten: Es gibt 81 A1- und 80 A2-Kurse. Auf B1 sind es aktuell 47 Kurse, auf B2 42, auf C1 und C2 jeweils 12. Die höheren Stufen kommen Sprache für Sprache dazu, zuletzt zum Beispiel B2 für Griechisch, Lettisch, Schwedisch, Estnisch und Rumänisch, und Polnisch und Tschechisch gehen inzwischen bis C2. In der Übersicht aller Sprachen und Stufen siehst du für jede der 80 Sprachen, wie weit du kommst.
Die Lektionen sind kurz, und das verteilte Wiederholen holt Wörter genau dann zurück, wenn du sie sonst vergessen würdest. Eine gezielte Prüfungsvorbereitung ersetzt das nicht. Es bringt dich aber Stufe für Stufe dorthin, wo sich die Anmeldung zur Prüfung lohnt.
Fang auf der Stufe an, die du wirklich kannst, nicht auf der, die in deinem Lebenslauf steht. Bei einer neuen Sprache heißt das: aussuchen und heute Abend die erste A1-Lektion machen.



