Drei Monate reichen nicht für eine Sprache. Für ein ordentliches Stück davon schon.
Das Versprechen „Sprache lernen in 3 Monaten“ klebt auf Buchcovern, Werbeanzeigen und Videos, in denen jemand sehr schnell sehr viel redet, und gemeint ist fast immer: fließend. Das ist Unsinn. Realistisch ist etwas anderes, und es ist trotzdem eine Menge. Mit gut einer Stunde am Tag kommst du in zwölf Wochen bei einer Sprache, die dem Deutschen oder Englischen nahe ist, auf ein sicheres A1, mit zwei Stunden auf A2. Damit kommst du im Alltag zurecht: einkaufen, nach dem Weg fragen, dich und deine Arbeit vorstellen. Bei Japanisch, Arabisch oder Koreanisch schaffst du mit zwei Stunden täglich im selben Zeitraum ein solides A1, und bei einer neuen Schrift ist das schon eine Leistung.
Kann man eine Sprache in 3 Monaten lernen?
Das hängt an drei Dingen: wie viele Stunden du wirklich investierst, wie weit die Sprache vom Deutschen entfernt ist und was du schon mitbringst. Und an der Frage, was „lernen“ heißen soll.
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) hilft beim Sortieren. A1 heißt: einfache Sätze über dich selbst, Zahlen, Begrüßung, Bestellung. A2: Routinesituationen, in denen es um einen einfachen, direkten Austausch von Informationen geht. B1: Du kommst auf Reisen in den meisten Situationen klar und kannst über Erfahrungen und Pläne sprechen. Fließend, wie es in der Werbung gemeint ist, beginnt frühestens bei B2. Die Stufen im Detail erklärt unser Artikel über die GER-Niveaus.
Wer in drei Monaten A2 schafft, kann übrigens mehr als viele nach zwei Jahren Schulfranzösisch. Nur verkauft sich das schlechter als „fließend“.
Die Rechnung: Stunden statt Monate
Monate sind eine schlechte Maßeinheit fürs Sprachenlernen. Stunden sind besser. Cambridge English nennt für Englisch ungefähre Werte für sogenannte geführte Lernstunden, also Unterricht und angeleitetes Üben, gezählt ab null:
| GER-Niveau | Ungefähre Lernstunden ab null |
|---|---|
| A2 | 180–200 |
| B1 | 350–400 |
| B2 | 500–600 |
| C1 | 700–800 |
Für A1 kannst du grob die Hälfte von A2 ansetzen. Das sind Richtwerte für Englisch, keine Garantie; je nach Sprache, Vorwissen und Lernweise liegst du darüber oder darunter. Auf zwölf Wochen mit sechs Lerntagen pro Woche umgerechnet sieht das so aus:
| Pro Tag | Stunden in 12 Wochen | Nahe Sprache (z. B. Niederländisch, Schwedisch) | Ferne Sprache (z. B. Japanisch, Arabisch) |
|---|---|---|---|
| 30 Minuten | ca. 36 | gute Teile von A1 | Schrift und erste Sätze |
| 1 Stunde | ca. 72 | A1 sicher | etwa die Hälfte von A1 |
| 2 Stunden | ca. 144 | A2 | A1 sicher |
| 3 bis 4 Stunden | ca. 220–290 | A2 sicher, erste Schritte in B1 | A1 sicher, erste Schritte in A2 |
Wie weit eine Sprache entfernt ist, macht mehr aus, als viele denken. Das Foreign Service Institute der US-Regierung schätzt für englische Muttersprachler, dass Sprachen wie Japanisch, Arabisch oder Koreanisch rund dreimal so viel Unterrichtszeit brauchen wie Spanisch, Niederländisch oder Schwedisch. Für Deutschsprachige gibt es keine offizielle Liste, aber die Richtung stimmt: Niederländisch und die skandinavischen Sprachen liegen nah, die romanischen Sprachen sind dank Englisch und, falls vorhanden, Latein gut erreichbar, Sprachen mit neuer Schrift und fremder Grammatik liegen weit weg. Mehr dazu in unserem Artikel über die leichtesten Sprachen für Deutsche.
Sprache lernen in 3 Monaten: der 12-Wochen-Plan
Der Plan geht von etwa anderthalb Stunden an sechs Tagen pro Woche aus und von einer Sprache, die du neu anfängst. Jeder Tag beginnt mit Wiederholung, danach kommt der Schwerpunkt der jeweiligen Phase.
Woche 1 und 2: Klang und Überlebenswortschatz
Aussprache, Zahlen, Begrüßung, dich vorstellen, bestellen. 15 bis 20 neue Wörter am Tag, immer mit Audio, nie nur gelesen. Hat die Sprache eine neue Schrift, geht ein guter Teil dieser zwei Wochen dafür drauf. Das ist gut investierte Zeit.
Woche 3 und 4: Grammatik für den Alltag
Gegenwart, Fragen, Verneinung, Artikel und Geschlecht. Kurze Dialoge laut nachsprechen, bis sie ohne Stocken kommen. Ab jetzt stapeln sich die Wiederholungen. Damit sie nicht explodieren, holst du Wörter in wachsenden Abständen hervor: nach einem Tag, nach drei Tagen, nach einer Woche. Wie dieses verteilte Wiederholen funktioniert, steht in unserem Vergleich der Methoden zum Vokabellernen.
Woche 5 und 6: zum ersten Mal wirklich sprechen
Zwei Gespräche pro Woche à 20 bis 30 Minuten, mit einem Tandempartner, in einem Sprachcafé oder im Chat. Du wirst dich ungeschickt anstellen. Genau darum geht es.
Woche 7 und 8: Vergangenheit und Hören
Die erste Vergangenheitsform, damit du erzählen kannst, was du am Wochenende gemacht hast. Dazu jeden Tag zehn Minuten Hören: Podcasts für Lernende, kurze Videos mit Untertiteln in der Zielsprache.
Woche 9 und 10: Lesen und Schreiben
Eine Lektüre in vereinfachter Sprache auf A1- oder A2-Niveau. Jeden Tag fünf Sätze über deinen Tag, einmal pro Woche eine kurze E-Mail, an einen Tandempartner oder an dich selbst.
Woche 11 und 12: festigen und testen
Keine großen neuen Themen mehr. Wiederholen, Gespräche simulieren, Lücken schließen. Dann der Test: Prüf dich an den Kann-Beschreibungen des GER oder mach einen Modelltest. Für Französisch und Spanisch gibt es offizielle Prüfungen schon ab A1 (DELF und DELE), Übungsmaterial dazu findest du online.
Wenn du dir diesen Plan nicht selbst zusammenbauen willst: Die Kurse von Qlango sind nach GER-Stufen aufgebaut, mit kurzen Lektionen, einem Wochenplan und einer Lernserie, an der du siehst, ob du dranbleibst. Das Wiederholen im richtigen Abstand übernimmt die App, und für die Wochen 5 und 6 gibt es den Chat mit anderen Lernenden. Auf A1 und A2 gibt es je rund 80 Kurse, auf B1 derzeit 47. Welche Sprache welche Stufen hat, steht in der Sprachenübersicht.
Was du nach zwölf Wochen kannst und was nicht
Nach drei Monaten mit dem Plan oben kannst du dich vorstellen, einkaufen, nach dem Weg fragen und in einfachen Sätzen über Arbeit, Familie und Wochenende sprechen. Mit geduldigen Menschen führst du langsame Gespräche. Nachrichten in einfacher Sprache verstehst du in groben Zügen, und Schilder, Speisekarten und Fahrpläne sind kein Rätsel mehr.
Was noch nicht geht: Filme ohne Untertitel, Telefonate mit Behörden, ein Abend in der Kneipe mit fünf Muttersprachlern, die durcheinanderreden. Und Witze. Vor allem Witze nicht.
Häufige Fragen
Schaffe ich in 3 Monaten B1?
Von null nur in Ausnahmefällen: bei einer sehr nahen Sprache, mit drei bis vier Stunden täglich und viel Kontakt zu Muttersprachlern. Mit Vorkenntnissen sieht es anders aus. Wer Schulfranzösisch hat, das nur eingerostet ist, kann B1 in drei Monaten durchaus erreichen.
Reichen 30 Minuten am Tag?
Für einen Anfang ja, für A2 in drei Monaten nicht. Mit einer halben Stunde täglich bist du nach drei Monaten bei einer nahen Sprache auf gutem Weg zu A1, und dieses Tempo hältst du dafür jahrelang durch. Ehrliche Zahlen für längere Zeiträume stehen in unserem Artikel Wie lange dauert es, eine Sprache zu lernen?
Was ist mit „fließend in 3 Monaten“?
Fließend meint im Alltag meist: spontan, ohne lange Pausen, über fast alles. Das entspricht etwa B2. Cambridge rechnet für Englisch bis B2 mit rund 500 bis 600 Lernstunden. In drei Monaten wären das rund sechs Stunden an jedem einzelnen Tag, ohne Pause, und selbst dann wäre es knapp.
Lohnt sich ein Intensivkurs?
Für den Start oft ja. Ein oder zwei Wochen Intensivkurs bringen dich schnell über die ersten Hürden, und in vielen Bundesländern lässt sich so ein Kurs als Bildungsurlaub anerkennen. Ohne tägliches Wiederholen danach ist aber ein guter Teil nach einem Monat wieder weg.
Leg ein Startdatum fest, am besten den nächsten Montag, such dir eine Sprache aus und mach die erste A1-Lektion. In zwölf Wochen weißt du selbst, was drei Monate bringen, und brauchst keine Werbeanzeige mehr, die es dir erzählt.



