Die leichteste Sprache für Deutsche ist Niederländisch. Darüber kann man streiten, aber nicht lange: Wer in Venlo in ein Café geht, versteht „tomatensoep“, „broodje kaas“ und „appeltaart met slagroom“ ohne Wörterbuch. Knapp dahinter liegen Afrikaans und die skandinavischen Sprachen. Englisch läuft außer Konkurrenz, weil du damit schon in der Grundschule angefangen hast.
Dass ausgerechnet diese Sprachen auf jeder Liste der leichtesten Sprachen für Deutsche stehen, ist kein Zufall. Leicht ist eine Sprache dann, wenn du vieles schon mitbringst: verwandte Wörter, eine ähnliche Satzstellung, Laute, die dein Mund kennt, und dasselbe Alphabet. Jedes dieser Geschenke erspart dir Stunden, und zusammen machen sie aus einem Jahr ein halbes.
Was eine Sprache für Deutsche leicht macht
Vier Dinge zählen, ungefähr in dieser Reihenfolge:
- Wortschatz. Gemeinsame Wörter sind der größte Hebel. Bei germanischen Sprachen sind es Erbwörter (Wasser, water, vatten), bei romanischen die vielen lateinischen Fremdwörter, die du aus dem Deutschen kennst.
- Grammatik. Deutsch hat drei Geschlechter, vier Fälle und eine Menge Verbendungen. Jede Sprache, die davon etwas weglässt, fühlt sich für dich wie Urlaub an.
- Aussprache. Laute wie ü, ö oder das ch in „Bach“ hast du schon. Sprachen mit Tönen oder vielen ungewohnten Konsonanten kosten Zeit.
- Schrift. Lateinisches Alphabet: kein Aufwand. Kyrillisch: ein paar Wochenenden. Chinesische Schriftzeichen: Jahre.
Dazu kommt etwas, das in keiner Grammatik steht, nämlich wie oft du die Sprache hörst. Englisch ist auch deshalb leicht, weil es aus jedem Radio dudelt.
Leichteste Sprachen für Deutsche im Überblick
| Sprache | Was dir hilft | Wo es hakt |
|---|---|---|
| Niederländisch | Wortschatz und Satzbau sehr nah am Deutschen, keine Fälle | Aussprache von g und ui, falsche Freunde |
| Afrikaans | Kaum Grammatik: ein Artikel, keine Personalendungen | Weniger Lernmaterial und Medien |
| Norwegisch | Verben ohne Personalendungen, viele Wörter aus dem Niederdeutschen | Viele Dialekte, zwei Schriftnormen |
| Schwedisch | Wie Norwegisch, dazu eine einheitliche Schriftsprache | Satzmelodie, der sj-Laut |
| Dänisch | Schriftbild für Deutsche gut lesbar | Aussprache, über die selbst Norweger Witze machen |
| Englisch | Germanisch, kein grammatisches Geschlecht, du kennst es schon | Rechtschreibung, Zeitformen |
| Spanisch, Italienisch | Lautgetreue Schrift, viele lateinische Wörter, nur zwei Geschlechter | Viele Verbformen, Subjunktiv |
| Esperanto | Völlig regelmäßig, als leichte Sprache entworfen | Wenige Muttersprachler, kaum Alltagseinsatz |
Niederländisch: Deutsch mit anderem Akzent
Ein Satz wie „Ik heb gisteren een boek gelezen“ ist für dich durchsichtig: Ich habe gestern ein Buch gelesen. Gleiche Wortstellung, Partizip am Ende, sogar die Vorsilbe ge-. Im Nebensatz wandert das Verb wie im Deutschen nach hinten: „omdat ik morgen naar Utrecht ga“, weil ich morgen nach Utrecht gehe. Fälle gibt es praktisch keine mehr, und statt der, die, das kennt das Niederländische nur „de“ und „het“.
Die Stolpersteine liegen woanders. Das g klingt im Norden wie das ch in „Bach“, das „ui“ in „huis“ ist ein Laut, den es im Deutschen nicht gibt, und die falschen Freunde lauern überall. „Slim“ heißt klug, nicht schlimm. „Bellen“ heißt anrufen. „Aardig“ bedeutet nett und hat mit artig wenig zu tun. Das größte Hindernis ist allerdings menschlich: Viele Niederländer wechseln ins Englische oder Deutsche, sobald sie deinen Akzent hören. Freundlich gemeint, fürs Lernen eine Katastrophe.
Afrikaans: die Sprache ohne Verbendungen
Afrikaans hat sich aus dem Niederländischen der Siedler am Kap entwickelt und wird heute vor allem in Südafrika und Namibia gesprochen. Für Deutsche ist es fast verdächtig einfach. Das Verb ändert sich nicht nach der Person: „ek is, jy is, hy is, ons is“, ich bin, du bist, er ist, wir sind. Es gibt einen einzigen bestimmten Artikel, „die“, für alles. Die Vergangenheit bildest du mit „het“ und ge-: „Ek het die boek gelees.“ Mehr ist da kaum.
Ungewohnt ist die doppelte Verneinung: „Ek praat nie Afrikaans nie“ heißt „Ich spreche kein Afrikaans“. Der echte Nachteil ist ein praktischer. Es gibt deutlich weniger Serien, Bücher und Kurse als für die großen Sprachen, und außerhalb des südlichen Afrikas wirst du selten jemanden treffen, mit dem du üben kannst.
Norwegisch, Schwedisch, Dänisch: verwandt über die Hanse
Die skandinavischen Sprachen sind nordgermanisch, also etwas weiter vom Deutschen entfernt als das Niederländische. Trotzdem sind sie erstaunlich zugänglich, und das hat einen historischen Grund: Zur Zeit der Hanse haben sie eine große Zahl Wörter aus dem Mittelniederdeutschen übernommen. Norwegisch „betale“ heißt bezahlen, „begynne“ beginnen, „frihet“ Freiheit.
Die Grammatik ist gnädig. Verben haben für alle Personen dieselbe Form: „jeg er, du er, han er“ im Norwegischen und Dänischen, „jag är, du är, han är“ im Schwedischen. Fälle gibt es nur noch bei den Pronomen. Neu ist eigentlich nur, dass der bestimmte Artikel hinten angehängt wird: „et hus“ ist ein Haus, „huset“ das Haus.
Welche der drei? Schriftlich sind sie sich so ähnlich, dass du mit einer die beiden anderen halbwegs lesen kannst. Beim Hören trennen sich die Wege. Dänisch verschluckt Konsonanten und hat den Stoßton, und es gibt nicht ohne Grund norwegische Comedy-Sketche darüber, dass Dänen sich angeblich selbst nicht verstehen. Schwedisch und Norwegisch haben eine Satzmelodie mit zwei Tonakzenten, die anfangs ungewohnt klingt, aber selten zu Missverständnissen führt. Für den Einstieg ist Norwegisch oft die beste Wahl, solange dich die vielen Dialekte nicht schrecken. Von den beiden Schriftnormen Bokmål und Nynorsk lernst du als Anfänger Bokmål.
Englisch: der Vorsprung aus der Schule
Englisch ist germanisch, auch wenn es seit den Normannen jede Menge französischen Wortschatz mitschleppt. Es kennt kein grammatisches Geschlecht und Fälle nur noch bei Pronomen. Vor allem hast du einen Vorsprung von vielen Jahren Unterricht, Songtexten und Serien.
Die typischen deutschen Fehler sind deshalb so bekannt, dass man sie auswendig aufsagen kann. „I live here since 2015“ statt „I have lived here since 2015“. „Become“ für bekommen. „Eventually“ für eventuell, obwohl es schließlich heißt. Und das Handy, das im Englischen ein Adjektiv ist und praktisch bedeutet. Die Rechtschreibung bleibt ein Ärgernis auf Lebenszeit: „though“, „through“ und „tough“ sehen fast gleich aus und klingen völlig verschieden.
Spanisch, Italienisch und der Sonderfall Esperanto
Romanische Sprachen sind mit dem Deutschen nur entfernt verwandt. Trotzdem lernen Deutsche Spanisch und Italienisch meist ohne große Schmerzen. Beide schreibt man fast so, wie man spricht, die Vokale sind klar, und viele Wörter kennst du aus Latein oder als Fremdwörter: „la información“, „la situazione“, „la universidad“. Zwei Geschlechter statt drei sind eine echte Erleichterung. Mühe machen die Verben, die sich nach Person und Zeit kräftig verändern, und der Subjuntivo beziehungsweise Congiuntivo, der dich bis B2 begleitet. Im Italienischen kommen die Doppelkonsonanten dazu: „pala“ ist eine Schaufel, „palla“ ein Ball. Wer in der Schule Latein hatte, wird hier endlich belohnt. Französisch gehört zur selben Familie, ist durch Aussprache und Rechtschreibung aber deutlich zäher.
Esperanto wurde 1887 ausdrücklich als leicht lernbare Sprache entworfen, und das merkt man. Jedes Substantiv endet auf -o, jedes Adjektiv auf -a, die Mehrzahl auf -j. Verben enden in der Gegenwart auf -as, in der Vergangenheit auf -is, in der Zukunft auf -os, ohne eine einzige unregelmäßige Ausnahme. Muttersprachler gibt es nur wenige, und für den Urlaub bringt es dir nichts. Als erstes Erfolgserlebnis mit einer Fremdsprache taugt es trotzdem.
Welche Sprachen für Deutsche schwer sind
Am anderen Ende stehen Sprachen, bei denen kaum etwas Bekanntes hilft. Finnisch und Ungarisch gehören nicht zur indogermanischen Familie und haben über ein Dutzend Fälle. Arabisch, Chinesisch, Japanisch und Koreanisch bringen eine neue Schrift mit, Chinesisch zusätzlich Töne, bei denen die Tonhöhe die Bedeutung eines Wortes ändert. Das Foreign Service Institute der USA veranschlagt für diese Gruppe etwa dreimal so viele Unterrichtsstunden wie für Spanisch oder Niederländisch, allerdings gemessen an englischen Muttersprachlern.
Slawische Sprachen liegen dazwischen. Sechs oder sieben Fälle wirken abschreckend, aber Deutsche wissen wenigstens, was ein Fall ist, und sind Amerikanern damit einen Schritt voraus. Kleine Revanche für alle, die sich im Schulenglisch gequält haben: Für das Foreign Service Institute gilt Deutsch als mittelschwer. Was das alles in Stunden und Monaten bedeutet, rechnet der Artikel Wie lange dauert es, eine Sprache zu lernen? durch.
Leicht ist nicht dasselbe wie schnell gelernt
Die Liste oben hat einen blinden Fleck: dich. Wer jeden Sommer in Apulien verbringt und dessen Schwiegerfamilie aus Bari kommt, lernt Italienisch schneller als Niederländisch, obwohl Niederländisch auf dem Papier leichter ist. Motivation schlägt Sprachverwandtschaft, jedenfalls ab der dritten Woche, wenn der Reiz des Neuen weg ist.
Leichte Sprachen haben außerdem eine eigene Falle. Weil man so schnell versteht, bleibt man gern bei einem eingedeutschten Mischmasch stehen, der irgendwie funktioniert. Genau dort liegt bei Niederländisch oder Dänisch die eigentliche Arbeit: in den falschen Freunden, der Aussprache und den Feinheiten, die man nicht mehr bemerkt, weil ja alles so ähnlich ist.
Niederländisch, Afrikaans, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Italienisch und Esperanto findest du alle bei Qlango. Bis zu welcher GER-Stufe die jeweilige Sprache geht, steht in der Sprachenübersicht.
Wenn du dich nicht entscheiden kannst, mach am selben Abend die erste A1-Lektion Niederländisch und die erste Lektion Norwegisch. Nach zwanzig Minuten weißt du, welche dir mehr Spaß macht, und das ist eine bessere Entscheidungsgrundlage als jede Rangliste.



